Gibt es Versicherungskäse?

Oder ist die Branche besser als Ihr Ruf?

Die Versicherungsbranche hat einen schlechten Ruf. Aber warum ist das eigentlich so? Versicherungen an sich sind doch erst einmal etwas Gutes. Es gibt Menschen beziehungsweise Firmen, die einen gegen eventuelle Schäden absichern, damit man im Schadensfall eine Entschädigung erhält und unter Umständen sogar sein ganz normales Leben weiterführen kann. Ein Beispiel dafür ist die Berufsunfähigkeitsversicherung. Natürlich gibt es diese Sicherheit nicht umsonst, man muss sie bezahlen. Aber das ist eigentlich selbstverständlich.

Also sind Versicherungen eigentlich nicht käse. Aber warum reden dann soviele Verbraucher von Versicherungskäse? Von wem wurden sie enttäuscht?

Sicher, wie in jeder Branche gibt es auch in der Versicherungsbranche schwarze Schafe. Denn nicht ohne Grund haben die meisten Unternehmen Compliance-Richtlinien eingeführt oder werden gesetzlich dazu gezwungen. Doch warum hat die Versicherungsbranche nun einen derart schlechten Ruf? Sowohl Versicherungsvermittler, die sogenannten Versicherungsvertreter als auch Versicherungsmakler leben vom Abschluss und Fortbestand von Versicherungsverträgen, nicht von der Beratung oder Schadenregulierung. Das sollte man sich klar machen. Wenn man das verstanden hat, weiß man, dass das Hauptinteresse des Versicherungsvertreters darin besteht, eine oder mehrere Versicherungen an den Mann zu bringen. Obwohl derVersicherungsvermittler an eine oder mehrere Gesellschaften gebunden ist, ist der Makler eigentlich unabhängig. Soweit zur Theorie. Jetzt kommt der Charakter des Versicherungsvermittlers ins Spiel. Ist er ein weißes oder schwarzes Schaf, also ein anständiger Vermittler, der wirklich das Beste für seine Kunden will, oder einer der wirklich Versicherungskäse verkauft und das Beste für sich will, nämlich die höchste Provision. Leider gibt es auch von dieser Sorte sehr viele. Also ganz viel Versicherungskäse.

Fahrradversicherungen unter Umständen Versicherungskäse

Auch beliebt in Deutschland sind Fahrradversicherungen. Nun wie steht es mit ihnen? Sind sie sinnvoll? Fahrräder werden zwar immer teurer und der Verlust durch Diebstahl ist durchaus schmerzhaft. Besonders, wenn es sich um ein Elektrofahrrad oder ein cooles Rennrad handelt.

Wenn allerdings nur der Zeitwert des Fahrrads bezahlt wird und dies auch nur dann, wenn der Drahtesel abgeschlossen in einem abgeschlossenen Raum gestanden hat, ist es zumindest eine fragwürdige Versicherung. Wer ein einfaches Fahrrad hat und das Risiko Fahrraddiebstahl im Rahmen der  Hausratversicherung mit eingegeschlossen hat, ist in aller Regel ausreichend, wenn nicht sogar überversichert. Sinnvoll ist diese Versicherung für äußerst hochwertige Fahrräder, die sich nicht mehr im Rahmen der Hausratversicherung versichern lassen. Also fallen Fahrradversicherungen unter die Kategorie: Unter Umständen Versicherungskäse.

Versicherungen, die Sie nicht brauchen

Diese wunderschöne Hitliste vom Bund der Versicherten, wollen wir Ihnen nicht vorenthalten. Hier ist sämtlicher Versicherungskäse aufgeführt.

Versicherungen, die Sie nicht brauchen

Der Einfallsreichtum mancher Versicherer ist enorm, wenn es darum geht, dem Verbraucher das Geld aus der Tasche zu ziehen. Seit Jahren kommen und gehen die seltsamsten Versicherungsangebote, die erstaunlicherweise immer wieder mal Interessenten finden. Damit Sie nicht auf unsinnige Policen hereinfallen, stellen wir Ihnen die neun überflüssigsten Arten vor.

  1. Glasbruchversicherung – Platz 9
  2. Brillenversicherung – Platz 8
  3. Krankenhaustagegeldversicherung – Platz 7
  4. Reisegepäckversicherung – Platz 6
  5. Handyversicherung – Platz 5
  6. Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ – Platz 4
  7. Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr – Platz 3
  8. Insassenunfallversicherung – Platz 2
  9. Sterbegeldversicherung – Platz 1

Dieses Merkblatt soll Ihnen die wichtigsten Informationen geben. Die Erläuterungen ersetzen keinesfalls eine individuelle Beratung und stellen nicht die abschließende Bewertung durch den Bund der Versicherten e. V. dar.

1. Glasbruchversicherung – Platz 9

Die finanzielle Belastung für die Reparatur einer kaputten Scheibe dürfte niemanden in den Ruin stürzen. Deshalb braucht wohl kaum jemand eine Glasbruchversicherung. Deren Beiträge wären im Verhältnis zu möglichen Schadenshöhen einfach zu teuer. Lohnen kann sie sich allenfalls, wenn Sie einen Wintergarten oder eine sehr teure Spezialverglasung an Ihrem Haus haben.

2. Brillenversicherung – Platz 8

Sie glauben, diese Versicherung ersetzt Ihnen bei Bruch oder Beschädigung Ihrer Brille das gute Stück vollständig? Von wegen: Ein neues Brillengestell gibt es allenfalls, wenn Ihre Brille gebrochen oder beschädigt oder mindestens zwei Jahre alt ist. Einfache Gläser bekommen Sie lediglich bei Beschädigung oder einer deutlichen Sehstärkenveränderung (mindestens 0,5 Dioptrien). Und: Wollen Sie eine besondere Fassung oder höherwertige Gläser, kommen Sie um eine kräftige Zuzahlung nicht herum.

3. Krankenhaustagegeldversicherung – Platz 7

Ob die Krankenhaustagegeldversicherung die finanzielle Grundlage fürs tägliche Obst oder für das Fernsehgerät im Krankenhaus sein muss, ist mehr als fraglich. Mit diesem Argument bieten jedenfalls Versicherer solche Policen an. Für solche Fälle sollten Sie besser Geld zurücklegen – zum Beispiel auf einem Tagesgeldkonto.

4. Reisegepäckversicherung – Platz 6

Haben Sie Ihren Koffer im Flughafen oder im Bahnhof immer in der Hand oder zwischen die Beine geklemmt? Das müssten Sie, wenn Sie Leistungen aus der Reisegepäckversicherung haben wollen. Denn die Reisegepäckversicherer zahlen oft nur anteilig oder gar nicht, weil sie Ihnen grob fahrlässiges Verhalten im Umgang mit Ihrem Gepäck vorwerfen. Zudem sind Wertsachen wie Schmuck, aber auch wertvolle Sachen beispielsweise Film- und Fotoapparate nur unzureichend mitversichert. Hinzu kommt, dass unter bestimmten Voraussetzungen Ihr Gepäck ohnehin in der Hausratversicherung versichert ist.

5. Handyversicherung – Platz 5

Wenn Ihr Handy kaputt geht oder Sie es verlieren, wird Sie das nicht in den finanziellen Ruin treiben. Dagegen eine Versicherung abzuschließen, dürfte sich nicht rechnen, denn entschädigt wird nur der Zeitwert Ihres Handys. Obendrein müssen Sie eine Selbstbeteiligung zahlen. Und Neugeräte lassen sich meist auch nur innerhalb von drei Monaten ab Kaufdatum versichern.

6. Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ – Platz 4

Sie haben sich ausgesperrt? Ihre Heizung ist ausgefallen? In solchen und anderen Fällen werden Sie vermutlich einen Notdienst rufen. Zwar kostet das mehr als der Handwerker üblicherweise, aber in finanzielle Not geraten Sie damit sicherlich nicht. Deshalb wird sich eine Versicherung gegen „häusliche Notfälle“ kaum für Sie auszahlen. Denn die träte auch nur begrenzt ein. Mieter müssen ohnehin nicht für Schäden an Mietsachen aufkommen, die sie nicht selbst verursacht haben.

7. Unfallversicherung mit Beitragsrückgewähr – Platz 3

Diese Police ist eine „Milchmädchen-Rechnung“: Denn sie zahlt sich keineswegs aus: Den Betrag, den Sie nachher zurückbekommen, haben Sie vorher zusätzlich einbezahlt. Obendrein wird die Erstattungssumme nur mäßig verzinst. Wenn Sie genau hinschauen, sind auch die Versicherungsleistungen meistens nicht ausreichend.

8. Insassenunfallversicherung – Platz 2

Verursachen Sie einen Unfall und werden Ihre Fahrgäste verletzt, tritt Ihre eigene Kfz-Haftpflicht ein. Trägt ein anderer Verkehrsteilnehmer die Schuld, zahlt dessen Versicherung. Auf eine zusätzliche Insassenunfallversicherung können Sie also verzichten.

9. Sterbegeldversicherung – Platz 1

Die Sterbegeldversicherung ist eine geldzehrende Kapitallebensversicherung. Wer sie abschließt, zahlt bei langer Laufzeit am Ende häufig mehr ein als die Hinterbliebenen herausbekommen. Wenn Sie Ihre Angehörigen entlasten wollen, ist eine rechtzeitige Geldanlage die bessere Alternative.

Glasbruchversicherung abschließen?

Noch so eine Versicherung, die niemand benötigt? Oder bin ich clever, wenn ich sie habe? Die Rede ist von der Glasbruchversicherung.

Viele Verbraucher leisten sich eine zusätzliche Glasbruchversicherung, die jedoch verglichen hinsichtlich Kosten und Nutzen nicht besonders sinnvoll ist. Wahrscheinlich ist der Glasbruchschaden, wenn er tatsächlich mal eintreten sollte, durch die gezahlten Prämien längst ausgeglichen. Hier gilt also ebenfalls die Devise: Sparen, sparen sparen – und sparen Sie sich vor allem einen solchen Versicherungskäse. Hände weg von der Glasbruchversicherung!

Autoschutzbriefe sinnvoll?

Sind Autoschutzbriefe sinnvoll? Benötigt man diese wirklich oder sind auch sie der reinste Versicherungskäse? Schauen wir uns erstmal näher an, was überhaupt ein Autoschutzbrief enthält. In Deutschland umfassen die klassischen Schutzbriefmodelle die Übernahme der Kosten für Mietwagen, Übernachtungen und Hilfsdienste oder den Krankenrücktransport. Der Versicherungsschutz bezieht sich auf das Auto, das im Versicherungsschein genannt ist, mit den jeweiligen Fahrzeuginsassen. Faktisch bietet diese Versicherung keine Abdeckung existentieller Schäden. Weil ein Autoschutzbrief schon häufig preiswert in der Kfz-Versicherung enthalten ist, halten wir einen Schutzbrief für unnötig. Er fällt also auch unter die Rubrik Versicherungskäse und reiht sich damit gut in die lange Reihe der überflüssigen Versicherungen ein.

Echter Versicherungskäse sind Brillenversicherungen

Mittlerweile gibt es Handy-, Tablet oder auch Brillenversicherungen. Lohnen sich solche Versicherungen tatsächlich, oder zahlt man am Ende nur drauf? Nehmen wir beispielsweise die Brillenversicherung: Immer mehr Menschen sind  weit- oder kurzsichtig. Sie benötigen eine Brille und gehen zum Optiker. Dort erfahren sie, dass Qualität und Aussehen ihren Preis hat.  Brillen für mehr als 500 Euro sind keine Seltenheit. Da überlegt man dann schon, ob sich eine Brillenversicherung rechnet. Die Antwort ist ganz eindeutig: nein! Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt einfach nicht. Unser Tipp: Verzichten Sie auf eine Brillenversicherung und sparen Sie lieber das Geld. Eine Brillenversicherung ist genau wie eine Handy- oder Tabletversicherung echter Versicherungskäse, den Sie wirklch nicht benötigen.

Stiftung Warentest hat Recht

Manchmal kann man der Redaktion Stiftung Warentest  einfach nur zustimmen. So auch bezüglich der Einschätzung zur Lebenversicherung. Auf der Website von Stiftung Warentest test.de heißt es:

Eine Lebens­versicherung kann nach dem Tod eines Menschen verhindern, dass die Angehörigen eine finanzielle Katastrophe erleben. Eine Kapital­lebens­versicherung kombiniert eine Todes­fall­leistung mit einem Sparplan. Ebenso enthalten viele Renten­versicherungen eine Leistung im Todes­fall. Dabei ist es besser, die Risiko­vorsorge und die Geld­anlage zu trennen. Eine Risiko­lebens­versicherung enthält keinen Sparplan, die Kunden zahlen nur für den Todes­fall­schutz. Sie ist die bessere Wahl.

Die Redaktion von Stiftung Warentest hat es auf den Punkt formuliert! Genau so bewerten wir auch die Kaptitallebensversicherung. Unser Rat: Trennen Sie Ihre Risikoabsicherung unbedingt von Ihrer Geldanlage. Beides zu verbinden in Form einer Kapitallebensversicherung ist eindeutig echter Versicherungskäse.